www.kompendium-digitalfotografie.de

Weißabgleich

Worum es geht

Dieser Grundlagenartikel erklärt den Begriff des „Weißabgleichs“, der für die Farbwiedergabe in der Digitalfotografie von entscheidender Bedeutung ist.

Über die reine Begriffserklärung hinaus beschreibt er, mit welchen Einstellungsmöglichkeiten Sie den Weißabgleich direkt bei der Aufnahme in Ihrer Digitalkamera vornehmen können.

Begriffserklärung: Weißabgleich

Der Weißabgleich ist eine Farbkorrektur der vom Bildsensor einer Digitalkamera empfangenen Bilddaten, um die Farbwiedergabe so gut wie möglich der menschlichen Wahrnehmung anzupassen.

Zum Verständnis des Weißabgleichs ist es wichtig, dass die verschiedenen Arten von natürlichem und künstlichem Licht unterschiedliche Farben haben, die vom menschlichen Auge und Gehirn anders als von einer Kamera wahrgenommen werden. Zwei andere Grundlagenartikel beschreiben hierzu Hintergründe über das natürliche Licht und wie der Mensch Farben wahrnimmt.

Bleiben wir beim natürlichen Licht, so ist der Weißabgleich vor allem eine Verschiebung der vom Bildsensor aufgenommenen Farben zu wärmeren (rötlicheren) oder kühleren (bläulicheren) Farben – entsprechend der Schwankungen des natürlichen Lichtes. Bei Kunstlicht oder anderem Umgebungslicht (z.B. im Schatten zwischen viel grünen Pflanzen und Bäumen) muss für einen korrekten Weißabgleich ggf. auch der Grünanteil verändert werden.

Weißabgleich in der Digitalkamera

Die im folgenden beschriebenen Einstellungsmöglichkeiten sind an einer Digitalkamera vor der Aufnahme nötig, um ansprechende Farben sofort mit den JPG-Dateien direkt aus der Kamera zu erhalten.
Ich empfehle, dies stets gleich bei der Aufnahme zu tun. Ich halte den Vorwand „das kann ich doch auch später am Computer machen“ für reine Bequemlichkeit; wenn Ihre Kamera nicht gerade sehr unglücklich zu bedienen ist, ist die Einstellung des Weißabgleichs in Sekunden erledigt und Sie können sich sofort nach dem Übertragen in den Computer über bessere Bilder freuen.

Wenn Sie stattdessen RAW-Dateien selbst entwickeln, können Sie natürlich den Weißabgleich nachträglich in der Bildverarbeitung vornehmen - aber auch dann wird ein nachträgliches Probieren länger dauern, als wenn Sie gleich den richtigen Wert bei der Aufnahme ermitteln, s. unten hierzu die Erläuterung zur Einstellung anhand einer Graureferenz.

Mit welchen Knöpfen oder Menüs der Weißabgleich konkret einzustellen ist, hängt natürlich von Ihrer Kamera ab, die Einstellungsmöglichkeiten, die Sie zur Verfügung haben, werden ziemlich sicher die folgenden sein:

Beispielbilder

Beispielbilder mit verschiedenen Weißabgleich-Einstellungen

Die nebenstehenden Bilder (aufgenommen mit einer Nikon D200) veranschaulichen, wie stark sich die verschiedenen Weißabgleich-Einstellungen auf die Farbwiedergabe auswirken.

Harry, eine Steinfigur im Garten, war so freundlich, dafür bei Sonnenschein mit leichter Bewölkung zu posieren. Entsprechend sehen die Bilder mit einem Weißabgleich für Sonne oder Wolken auch am natürlichsten aus und die für Kunstlicht produzieren offensichtliche Farbstiche. Bei Kunstlicht wäre es umgekehrt.

Insbesondere bei Hauttönen sind die Auswirkungen entscheidend für die Bildwirkung! Der Teil einer links oben im Bild gelassenen roten Mohnblüte z.B. verändert sich nicht so offensichtlich.

automatischer Weißabgleich

Einen vollautomatischen Weißabgleich bietet jede Digitalkamera an und verwendet ihn, wenn Sie nicht ausdrücklich etwas anderes einstellen.
Dabei analysiert die Kamera die im Bild auftretenden Farbwerte und leitet daraus eine Vermutung über die erforderliche Farbkorrektur ab.

Wie gut dies funktioniert, ist je nach Kamera und nach Lichtverhältnissen unterschiedlich. Daher ist auch keine allgemeingültige Aussage möglich, wann Sie sich auf den automatischen Weißabgleich für eine korrekte Farbwiedergabe wirklich verlassen können.
Im Zweifelsfalle: lieber selbst ausprobieren anstatt lange weiter im Internet zu schmökern. Machen Sie von einem Motiv eine Aufnahme mit automatischem Weißabgleich sowie einer manuellen Einstellung und vergleichen Sie!
Mein Erfahrungswert: Vor allem im Schatten und bei bedecktem Himmel sind die manuellen Einstellungen wärmer in den Farben und damit für viele Motive, vor allem Personenaufnahmen, ansprechender.

Das einzige, worauf Sie sich beim automatischen Weißabgleich meiner Meinung nach verlassen können, ist: Wenn es wirklich auf eine fein abgestimmte Farbwiedergabe ankommt, ist der automatische Weißabgleich ein Unsicherheitsfaktor, den Sie nach Möglichkeit ausschließen sollten.
Wenn Sie bessere Bilder als der Durchschnitt aller Digitalkamera-Knipser machen möchten, sollten Sie sich mit dem nachfolgend beschriebenen manuellen Weißabgleich auseinandersetzen.

manueller Weißabgleich 1: Auswahl von Standard-Lichtarten

Die einfachste Möglichkeit, einen bestimmten Weißabgleich zu erreichen, ist die Auswahl von bestimmten Standard-Lichtquellen, die üblicherweise mit Symbolen an der Digitalkamera angezeigt werden:

  wärmeres Licht  
Symbol Weißabgleich Glühlampe Glühlampe
  Symbol Weißabgleich Leuchtstofflampe Leuchtsroffröhre  
Symbol Weißabgleich Sonne Sonne
Symbol Weißabgleich Blitzlicht Blitz
Symbol Weißabgleich Wolken Wolken
Symbol Weißabgleich Schatten Schatten
Farbkorrektur ins Bläuliche

kühleres Licht

  Farbkorrektur hin zu orange  

Nicht alle Einstellmöglichkeiten sind bei jeder Kamera vorhanden.
Beachten Sie auch die rechte Seite der Tabelle – sie zeigt, wie sich die Farben durch Auswahl dieses Weißabgleiches verändern werden. Entsprechend können Sie die Auswahl auch benutzen, um Farben gezielt zu manipulieren.
Wenn Ihre Aufnahmesituation wirklich in diese Standardfälle passt, können Sie damit sehr gute Ergebnisse erzielen.

Vorsicht ist geboten bei elektrischem Licht: das Glühbirnen-Symbol passt wirklich nur zu der herkömmlichen Glühbirne mit ihrem gelblichen, aus Wolfram-Glühdrähten entstehenden Licht. Andere elektrische Lichtquellen (z.B. Quecksilberlampen, Halogenstrahler, Neonröhren, Energiesparlampen) senden anderes Licht aus und benötigen einen anderen Weißabgleich!
Auch haben dunklere Glühlampen mit niedrigen Watt-Zahlen gelblicheres Licht als hellere und Leuchtstoffröhren können sehr unterschiedliches Licht haben.

manueller Weißabgleich 2: Graureferenz

Diese zweite Möglichkeit ist nur wenig komplizierter als die erste und die zuverlässigste. Der etwas umständlich anmutende Titel besagt nichts weiter, als dass man bei dem Licht, mit dem man gerade fotografiert, der Kamera eine neutral weiße oder graue Fläche vorhält und ihr ausdrücklich sagt „das ist bei dem gegenwärtigen Licht ein neutrales Grau oder weiß – bitte korrigiere alle Farben im Bild entsprechend“.
Diese „Graureferenz“ kann dabei eine für diesen Zweck angefertigte Graukarte sein, wie man sie im Fachhandel oder bei spezialisierten Online-Händlern bekommt. Es kann aber behelfsweise auch ein weißes Blatt Papier oder Karton sein oder irgendein weißer Gegenstand, der gerade im selben Licht steht wie Ihr Fotomotiv – z.B. ein weißer Teller, eine weiße Bluse.

In den obigen Beispielbildern erzeugt dieser Weißabgleich auch die natürlichste Farbwiedergabe, wobei der Unterschied zur manuellen Einstellung von "Sonne" minimal und in den verkleinerten Bildern oben nicht erkennbar ist. Das ist bei der Beispielaufnahme, die ja im Sonnenlicht stattfand, nicht anders zu erwarten. Sobald das Licht nicht genau den angenommenen Standardsituationen entspricht, unterscheiden sich die Ergebnisse und Sie sind mit dieser Methode auf der sicheren Seite.

Diese Methode hat auch einen wichtigen Vorteil gegenüber einem nachträglichen Einstellen am Computer: Sie funktioniert auf Anhieb zuverlässig – ohne Herumprobieren, wie es bei einer Einstellung am Computer sowohl für JPG- als auch für RAW-Bilder erforderlich wäre.

Wie diese Einstellung praktisch vorzunehmen ist, hängt wieder von ihrer Digitalkamera ab, wird aber immer aus folgenden Schritten bestehen:

  • Auswahl eines Menüs oder einer anderen Einstellung an Knöpfchen oder Rädchen für die Auswahl des manuellen Weißabgleichs mittels einer Graureferenz
  • Ausrichten der Kamera auf die graue (bzw. weiße) Fläche, die als Referenz genommen werden soll
  • Bestätigen der Auswahl durch Drücken des Auslösers oder eines anderen Knopfes

Eine Variante dieser Methode ist folgendes Vorgehen (anwendbar bei Kameras, die einen Objektivdeckel haben):
Vor das Objektiv wird ein lichtdurchlässiger Deckel gesetzt, der das einfallende Licht streut und diffus macht. Dann hält man die Kamera in die Richtung, aus der das hellste Licht kommt und macht den manuellen Weißabgleich mit dem von dort eingefangenen Licht. Die Methode hat den Vorteil, dass man ohne Graukarte auskommt und z.B. eine Objektivkappe für diese Art des Weißabgleiches anstelle der herkömmlichen schwarzen verwenden und immer dabei haben kann. Ich persönlich mag sie aber nicht wegen des damit verbundenen Umstandes, sich erst zum Motiv hinzubewegen, den Weißabgleich in der Gegenrichtung vorzunehmen und sich dann für die eigentliche Aufnahme zurück zu bewegen.

manueller Weißabgleich 3: Angabe einer Farbtemperatur

Farbtemperatur ist ein weiterer neuer Begriff – ich beschränke mich hier auf seine praktische Anwendung, ohne die Hintergründe zu erklären:
Die vorherrschende Farbe des Lichtes in einer Bandbreite von kühl (=bläulich) über neutral (=weiß) bis zu warm (=rötlich) lässt sich auch in eine Temperatur-Skala übersetzen. Es handelt sich natürlich um keine Temperaturskala, die mit gefühlten Temperaturen in unserem Erfahrungsbereich von winterlichen Minusgraden (in Grad Celsius) bis zu kochenden 100 Grad Celsius vergleichbar ist.
Physikalisch lässt es sich aber begründen, von einer „Farbtemperatur“ zu sprechen und die die Einheit der Farbtemperatur ist eine zur Tempertaturmessung – nämlich Kelvin.

Was Sie für die Digitalfotografie praktisch wissen müssen, um die Farbtemperatur zu benutzen ist folgendes:

  • Eine Farbtemperatur von 5200 K (K für Kelvin) entspricht direktem Sonnenlicht als Bezugsgröße.
  • Niedrigere Farbtemperaturen stehen für wärmeres (=rötlicheres) Licht – auch wenn dies unserer sonstigen Erfahrung mit Temperaturen widerspricht – und bewirken eine Korrektur der Fotos hin zu kühleren (=bläulicheren) Farben. Sehr gelbliches Licht liegt bei ca. 3000 Kelvin, Ihre Kamera erlaubt möglicherweise noch tiefere Werte.
  • Höhere Farbtemperaturen stehen für kühleres (=bläulicheres) Licht und bewirken eine Korrektur der Fotos hin zu wärmeren Farben.
    Im Schatten treten Farbtemperaturen von ca. 8000 K auf; Ihre Kamera erlaubt aber wahrscheinlich noch höhere Werte bis z.B. 10000 K.

Man kann also auch eine Farbtemperatur gezielt vorwählen und dadurch eine feinere Einstellung als mit den wenigen Standardsituationen erreichen, wenn man entweder mit den ungefähren Zahlenwerten vertraut ist oder sich die Zeit zum Experimentieren nimmt.

manueller Weißabgleich 4: weitere Feineinstellungen

Bei fortgeschrittenen Kameras kann es noch zusätzliche Feineinstellungen geben, die ich hier aber nur der Vollständigkeit halber kurz erwähne:

  • Eine Feinjustierung, um gegenüber dem gewählten automatischen oder manuellen Weißabgleich leicht wärmere oder kühlere Farben zu erreichen
  • eine separate Feineinstellung für den Grünanteil.

Diese Einstellungen werden Sie brauchen, wenn Sie die Farbwiedergabe wirklich fein abstimmen möchten, andererseits finde ich dies am kleinen Kameramonitor etwas schwierig und solche leichten Farbkorrekturen sind auch in der nachträglichen Bildbearbeitung kein Problem.

Zusammenfassung und Empfehlung

Eine gute Farbwiedergabe kann ihre Fotos entscheidend verbessern und der dafür erforderliche Weißabgleich ist in vielen Situationen eine Unsicherheit, wenn Sie ihn der Kameraautomatik überlassen. Das gilt vor allem im Schatten und bei Kunstlicht, nicht bei direktem Sonnenlicht.

Experimentieren Sie mit den hier beschriebenen Einstellungsmöglichkeiten, wenn Sie noch nicht damit vertraut sein sollten. Benutzen Sie sie, wenn Sie sie bereits kennen.
Zum Experimentieren empfehle ich, vom selben Motiv eine Aufnahme mit automatischem und eine mit manuellem Weißabgleich zu erstellen und zu vergleichen, bis Sie ein Gefühl dafür bekommen haben, wie Ihre Kamera sich verhält und wie weit Sie Ihre Bilder verbessern können.

Bedenken Sie auch, dass die Farbwiedergabe ein wichtiges Merkmal für die unbewusste Bewertung Ihrer Bilder ist – wenn ein Laie Bilder „irgendwie besonders gelungen“ findet, ohne es genauer beschreiben zu können, würde ich wetten, dass es (auch) an der Farbwiedergabe liegt und Sie umgekehrt diese Reaktion ohne eine natürliche Farbwiedergabe nicht erleben werden.