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Begriffserklärung: Weißabgleich Weißabgleich in der Digitalkamera manueller Weißabgleich 1: Auswahl von Standard-Lichtarten manueller Weißabgleich 2: Graureferenz manueller Weißabgleich 3: Angabe einer Farbtemperatur manueller Weißabgleich 4: weitere Feineinstellungen Zusammenfassung und Empfehlung |
WeißabgleichWorum es gehtDieser Grundlagenartikel erklärt den Begriff des „Weißabgleichs“, der für die Farbwiedergabe in der Digitalfotografie von entscheidender Bedeutung ist. Über die reine Begriffserklärung hinaus beschreibt er, mit welchen Einstellungsmöglichkeiten Sie den Weißabgleich direkt bei der Aufnahme in Ihrer Digitalkamera vornehmen können. Begriffserklärung: WeißabgleichDer Weißabgleich ist eine Farbkorrektur der vom Bildsensor einer Digitalkamera empfangenen Bilddaten, um die Farbwiedergabe so gut wie möglich der menschlichen Wahrnehmung anzupassen. Zum Verständnis des Weißabgleichs ist es wichtig, dass die verschiedenen Arten von natürlichem und künstlichem Licht unterschiedliche Farben haben, die vom menschlichen Auge und Gehirn anders als von einer Kamera wahrgenommen werden. Zwei andere Grundlagenartikel beschreiben hierzu Hintergründe über das natürliche Licht und wie der Mensch Farben wahrnimmt. Bleiben wir beim natürlichen Licht, so ist der Weißabgleich vor allem eine Verschiebung der vom Bildsensor aufgenommenen Farben zu wärmeren (rötlicheren) oder kühleren (bläulicheren) Farben – entsprechend der Schwankungen des natürlichen Lichtes. Bei Kunstlicht oder anderem Umgebungslicht (z.B. im Schatten zwischen viel grünen Pflanzen und Bäumen) muss für einen korrekten Weißabgleich ggf. auch der Grünanteil verändert werden. Weißabgleich in der DigitalkameraDie im folgenden beschriebenen Einstellungsmöglichkeiten sind an einer Digitalkamera vor der Aufnahme nötig, um ansprechende Farben sofort mit den JPG-Dateien direkt aus der Kamera zu erhalten.
Wenn Sie stattdessen RAW-Dateien selbst entwickeln, können Sie natürlich den Weißabgleich nachträglich in der Bildverarbeitung vornehmen - aber auch dann wird ein nachträgliches Probieren länger dauern, als wenn Sie gleich den richtigen Wert bei der Aufnahme ermitteln, s. unten hierzu die Erläuterung zur Einstellung anhand einer Graureferenz. Mit welchen Knöpfen oder Menüs der Weißabgleich konkret einzustellen ist, hängt natürlich von Ihrer Kamera ab, die Einstellungsmöglichkeiten, die Sie zur Verfügung haben, werden ziemlich sicher die folgenden sein: Beispielbilder
Die nebenstehenden Bilder (aufgenommen mit einer Nikon D200) veranschaulichen, wie stark sich die verschiedenen Weißabgleich-Einstellungen auf die Farbwiedergabe auswirken. Harry, eine Steinfigur im Garten, war so freundlich, dafür bei Sonnenschein mit leichter Bewölkung zu posieren. Entsprechend sehen die Bilder mit einem Weißabgleich für Sonne oder Wolken auch am natürlichsten aus und die für Kunstlicht produzieren offensichtliche Farbstiche. Bei Kunstlicht wäre es umgekehrt. Insbesondere bei Hauttönen sind die Auswirkungen entscheidend für die Bildwirkung! Der Teil einer links oben im Bild gelassenen roten Mohnblüte z.B. verändert sich nicht so offensichtlich. automatischer WeißabgleichEinen vollautomatischen Weißabgleich bietet jede Digitalkamera an und verwendet ihn, wenn Sie nicht ausdrücklich etwas anderes einstellen.
Wie gut dies funktioniert, ist je nach Kamera und nach Lichtverhältnissen unterschiedlich. Daher ist auch keine allgemeingültige Aussage möglich, wann Sie sich auf den automatischen Weißabgleich für eine korrekte Farbwiedergabe wirklich verlassen können.
Das einzige, worauf Sie sich beim automatischen Weißabgleich meiner Meinung nach verlassen können, ist:
Wenn es wirklich auf eine fein abgestimmte Farbwiedergabe ankommt, ist der automatische Weißabgleich ein Unsicherheitsfaktor, den Sie nach Möglichkeit ausschließen sollten.
manueller Weißabgleich 1: Auswahl von Standard-LichtartenDie einfachste Möglichkeit, einen bestimmten Weißabgleich zu erreichen, ist die Auswahl von bestimmten Standard-Lichtquellen, die üblicherweise mit Symbolen an der Digitalkamera angezeigt werden:
Nicht alle Einstellmöglichkeiten sind bei jeder Kamera vorhanden.
Vorsicht ist geboten bei elektrischem Licht: das Glühbirnen-Symbol passt wirklich nur zu der herkömmlichen Glühbirne mit ihrem gelblichen, aus Wolfram-Glühdrähten entstehenden Licht. Andere elektrische Lichtquellen (z.B. Quecksilberlampen, Halogenstrahler, Neonröhren, Energiesparlampen) senden anderes Licht aus und benötigen einen anderen Weißabgleich!
manueller Weißabgleich 2: GraureferenzDiese zweite Möglichkeit ist nur wenig komplizierter als die erste und die zuverlässigste. Der etwas umständlich anmutende Titel besagt nichts weiter, als dass man bei dem Licht, mit dem man gerade fotografiert, der Kamera eine neutral weiße oder graue Fläche vorhält und ihr ausdrücklich sagt „das ist bei dem gegenwärtigen Licht ein neutrales Grau oder weiß – bitte korrigiere alle Farben im Bild entsprechend“.
In den obigen Beispielbildern erzeugt dieser Weißabgleich auch die natürlichste Farbwiedergabe, wobei der Unterschied zur manuellen Einstellung von "Sonne" minimal und in den verkleinerten Bildern oben nicht erkennbar ist. Das ist bei der Beispielaufnahme, die ja im Sonnenlicht stattfand, nicht anders zu erwarten. Sobald das Licht nicht genau den angenommenen Standardsituationen entspricht, unterscheiden sich die Ergebnisse und Sie sind mit dieser Methode auf der sicheren Seite. Diese Methode hat auch einen wichtigen Vorteil gegenüber einem nachträglichen Einstellen am Computer: Sie funktioniert auf Anhieb zuverlässig – ohne Herumprobieren, wie es bei einer Einstellung am Computer sowohl für JPG- als auch für RAW-Bilder erforderlich wäre. Wie diese Einstellung praktisch vorzunehmen ist, hängt wieder von ihrer Digitalkamera ab, wird aber immer aus folgenden Schritten bestehen:
Eine Variante dieser Methode ist folgendes Vorgehen (anwendbar bei Kameras, die einen Objektivdeckel haben):
manueller Weißabgleich 3: Angabe einer FarbtemperaturFarbtemperatur ist ein weiterer neuer Begriff – ich beschränke mich hier auf seine praktische Anwendung, ohne die Hintergründe zu erklären:
Was Sie für die Digitalfotografie praktisch wissen müssen, um die Farbtemperatur zu benutzen ist folgendes:
Man kann also auch eine Farbtemperatur gezielt vorwählen und dadurch eine feinere Einstellung als mit den wenigen Standardsituationen erreichen, wenn man entweder mit den ungefähren Zahlenwerten vertraut ist oder sich die Zeit zum Experimentieren nimmt. manueller Weißabgleich 4: weitere FeineinstellungenBei fortgeschrittenen Kameras kann es noch zusätzliche Feineinstellungen geben, die ich hier aber nur der Vollständigkeit halber kurz erwähne:
Diese Einstellungen werden Sie brauchen, wenn Sie die Farbwiedergabe wirklich fein abstimmen möchten, andererseits finde ich dies am kleinen Kameramonitor etwas schwierig und solche leichten Farbkorrekturen sind auch in der nachträglichen Bildbearbeitung kein Problem. Zusammenfassung und EmpfehlungEine gute Farbwiedergabe kann ihre Fotos entscheidend verbessern und der dafür erforderliche Weißabgleich ist in vielen Situationen eine Unsicherheit, wenn Sie ihn der Kameraautomatik überlassen. Das gilt vor allem im Schatten und bei Kunstlicht, nicht bei direktem Sonnenlicht. Experimentieren Sie mit den hier beschriebenen Einstellungsmöglichkeiten, wenn Sie noch nicht damit vertraut sein sollten. Benutzen Sie sie, wenn Sie sie bereits kennen.
Bedenken Sie auch, dass die Farbwiedergabe ein wichtiges Merkmal für die unbewusste Bewertung Ihrer Bilder ist – wenn ein Laie Bilder „irgendwie besonders gelungen“ findet, ohne es genauer beschreiben zu können, würde ich wetten, dass es (auch) an der Farbwiedergabe liegt und Sie umgekehrt diese Reaktion ohne eine natürliche Farbwiedergabe nicht erleben werden.
© Copyright 2009 kompendium-digitalfotografie.de, Martin Schneider. | |||||